Das Internet in Nischen bringen und Nischenthemen mit Hilfe des Internets aus ihrem Schattendasein herausholen.
Dies ist ein Gastbeitrag von Domingos de Oliveira. Domingos bloggt auf Blind-Text und twittert unter @domingos2.
Viele Menschen sind unsicher, wie sie mit Menschen mit Behinderung umgehen sollen. Die Antwort ist eigentlich sehr einfach: Sie wollen nicht anders behandelt werden als andere Menschen.
In den jeweiligen Communities kursieren zahllose Anekdoten über das seltsame Verhalten Nicht-Behinderter im Umgang mit Behinderten. Es ist zum Beispiel eher sinnfrei, besonders laut oder besonders langsam mit einem Blinden zu sprechen. Es gibt einige Grundregeln, an denen man sich orientieren kann, wenn man unsicher ist.
Die meisten Behinderten haben kein Problem damit, über ihre Behinderung zu sprechen. Wir haben aber ein sehr feines Gespür dafür, ob sich jemand tatsächlich für die Behinderung oder für uns als Person interessiert oder nur Smalltalk betreiben möchte. Außerdem möchte niemand auf seine Behinderung reduziert werden. Man kann auch über andere Themen sprechen. Was viele überraschen mag ist die große Zahl an blinden Fußballfans. Sprechen Sie also nur über die Behinderung, wenn Sie sich tatsächlich für die Person oder die Behinderung interessieren. Es ist auch kein Problem, konkrete Fragen zu Blindenschrift, Gebärdensprache oder anderen behindertenspezifischen Themen zu stellen.
Man sollte niemandem seine Hilfe aufdrängen. Es spricht nichts dagegen, jemanden zu fragen, ob er Hilfe braucht. Wenn er das verneint, sollte man es auch gut sein lassen. Blinde wirken oft ein wenig orientierungslos, wenn sie mit einem Blindenstock unterwegs sind. Meistens stimmt das aber nicht, sie suchen gezielt nach bestimmten Orientierungspunkten und müssen daher ein wenig hin und her laufen, um diese Punkte zu finden.
In jedem Fall sollte man einen Menschen nie ohne dessen Erlaubnis anfassen. Die einzige Ausnahme ist, wenn er sich offensichtlich in Gefahr befindet. In allen anderen Fällen ist unerlaubter Körperkontakt eine Verletzung der Intimsphäre, die man auch bei sich selber durch Fremde nicht zulassen würde.
Manchmal ist in einem Kompliment eine Beleidigung versteckt. Wenn ich einem Blinden sage, wie toll ich das finde, dass er sich so gut orientieren kann, schwingen einige negative Botschaften mit:
Vielleicht war in Wirklichkeit gemeint, ich finde es super, dass sich Menschen auch ohne Augenlicht orientieren können. Diese Formulierung wäre in dieser Situation die einzig sinnvolle, denn vor allem Geburtsblinde sind es gewöhnt, sich so zu orientieren. Ich würde auch einen 12-jährigen nicht dafür loben, dass er sich allein anziehen oder aufs Klo gehen kann.
Es ist immer noch eine Unart, mit der Begleitperson zu sprechen, wenn der Behinderte eine dabei hat. Wir lernen schon im Kindergarten, dass wir nicht über anwesende Personen sprechen, als ob sie nicht da wären. Selbst bei einem Gehörlosen, der einen Gebärdendolmetscher dabei hat, sieht und spricht man den Gehörlosen selbst in der ersten Person an und nicht dessen Dolmetscher.
Den meisten Blinden ist es egal, ob man das Wort sehen in ihrer Gegenwart verwendet oder nicht. Nach meinem Eindruck sind es vor allem Nicht-Behinderte, die großen Wert auf politische Korrektheit legen. Der Versuch, bestimmte Begriffe zu verwenden und andere zu vermeiden blockiert die Kommunikation und lässt die Gesprächspartner verkrampfen. Bis auf die oben genannten doppeldeutigen Komplimente sollte man in der direkten Kommunikation nicht ständig auf die richtige Wortwahl konzentrieren.
Die Unsicherheit ist teilweise nachvollziebar. Zum einen haben viele Menschen so gut wie nie direkten Kontakt mit Behinderten. Zum anderen sagt ihnen aber auch niemand, wie sie es richrtig machen sollten.
Ich sehe auch uns selber in der Pflicht, stärker in die Öffentlichkeit zu gehen und den Mitmenschen so die Möglichkeit zu geben, sich an Behinderte zu gewöhnen. Daran erkennen wir aber auch, wie dringend wir eine inklusive Gesellschaft brauchen.
Nicht so sondern so
Nicht so – sondern so. Kleiner Ratgeber für den Umgang mit blinden Menschen des DBSV als PDF
Bei Not quite like Beethoven oder Die Welt mit den Augen sehen liest man einiges über die Schwierigkeiten von Gehörlosen
Im Blog Realitätsfilter gibt es einige interessante Beiträge zum Autismus
[Update]
not quite like Beethoven greift das Thema in seinem Blog auf und fragt: “Behinderung, ein Smalltalk-Thema?“
« “Pflegefall: Kind” – Erste Erfahrungsberichte – Brandbrief an die Bundesregierung »
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Herbert Schmidt
- Am 16. Mai 2011 um 07:56
Hallo,
ich finde diese Aussagen sehr gut. Menschen ohne Behinderungen haben vielfach recht wenig Ahnung, wie ihr Verhalten von Menschen mit Behinderung aufgefasst werden.Ich konnte selbst miterleben, wie eine Freundin, die nur noch 10 % Sehfähigkeit hat, sich bitter beschwerte, wie andere aufdringlich versucht haben, ihr zu helfen. Mit andere sind Menschen gemeint, die noch 100 % Sehfähigkeit haben. Diese Freundin ist von Berlin aus nach Misdroy gereist, alleine versteht sich, und hat dort ein Treffen mit Freundinnen und Freunden, die sich aus dem Internet kennen, vorbereitet.
Die Caritas will mit ihrer Kampagne “Inklusion” aufzeigen, dass ein gleichberechtigtes zusammenleben möglich ist. Mehr dazu:
http://seniorenforum-wuerzburg.de/?p=5177
Viele Grüße
sendet
Herbert Schmidt
Pingback Umgang mit Behinderten – bei nischenThema – OFFENE PLATTFORM
- Am 16. Mai 2011 um 09:53
[...] zu ermöglichen. Das ist mit relativ geringem Aufwand umsetzbar. InaMS beschreibt in einem Artikel bei nischenThema, wie der Umgang mit Menschen mit Behinderung in der realen Welt sein (bzw. nicht sein) sollte. Auch [...]
Pingback Menschen mit Behinderung wollen nicht anders behandelt werden, als andere Menschen. | HFs Libreta
- Am 17. Mai 2011 um 17:59
[...] Was seiner Meinung nach wichtig ist beim Umgang mit Menschen mit einer Behinderung, schildert er in seinem Artikel bei nischenThema. Es ist im Grunde so einfach, aber wir machen es häufig falsch – aus [...]
Pingback Behinderung, ein Smalltalk-Thema? | Not quite like Beethoven
- Am 24. Mai 2011 um 10:37
[...] mal eine kleine Leseempfehlung: Domingos de Oliveira hat hier aufgeschrieben, wie man mit Behinderten umgehen sollte. Ich kann das alles [...]
Pingback Aus unserem Netzwerk: April, Mai 2011 » Blogpatenschaften
- Am 24. Mai 2011 um 14:42
[...] Gastbeitrag von Domingos de Oliveira über den Umgang mit behinderen Menschen [...]
Pingback “Leitfaden” zum Umgang mit Behinderten | entia Blog
- Am 25. Mai 2011 um 10:34
[...] http://www.nischenthema.de/umgang-mit-behinderten/ [...]
gogabigo
- Am 5. August 2011 um 16:01
danke für den beitrag! ich möchte in diesem zusammenhang auch auf folgende zeilen aufmerksam machen:
Wissenswertes für den Umgang mit und das Berichten über Menschen mit Behinderung
Basierend auf: “IPC-Guidelines – Reporting on persons with disability”
Übersetzt und bearbeitet von: Annette Schwindt, schwindt-pr, Bonn
Was einen Menschen ausmacht, sind nicht seine körperlichen Fähigkeiten, sondern seine Persönlichkeit, sein Denken, Fühlen und Handeln. Definieren Sie einen Menschen daher nach diesen Kriterien, nicht über seine Einschränkungen. Denn Einschränkungen hat jeder, auch nichtbehinderte Menschen. Bei Menschen mit Behinderung ist nur eine
besondere Einschränkung sofort sichtbar. Diese mag für Sie ungewohnt sein, macht Ihr Gegenüber jedoch nicht automatisch zu einem bemitleidenswerten Menschen.
Bieten Sie den Handschlag zur Begrüßung an, auch wenn Ihr Gegenüber keine Hände/Arme, Prothesen oder nur eingeschränkte Kontrolle über seine Hände/Arme hat.
Die Person wird Sie wissen lassen, was zu tun ist.
Vermeiden Sie ungefragtes Helfen. Ihr Gegenüber wird es Sie wissen lassen, wenn er/sie Hilfe braucht. Warten Sie dann auf konkrete Anweisungen, da das, was Ihnen auf den ersten Blick richtig erscheint, nicht unbedingt die richtige Hilfe für Ihr Gegenüber ist.
So gibt es z.B. bestimmte Techniken, die das Überwinden von Stufen mit einem Rollstuhl für Sie erleichternd und für Ihr Gegenüber weniger sturzgefährlich machen.
Sollten Sie keine Anweisungen bekommen, fragen Sie nach. Das ist völlig in Ordnung.
Gehen Sie aufgrund der Behinderung nicht übervorsichtig mit Ihrem Gegenüber um.
Es handelt sich um einen Menschen und nicht um ein rohes Ei. Sprechen Sie mit ihm wie mit jedem anderen auch:
- Es gibt keinen Grund, Ihr Gegenüber zu bemitleiden. Menschen mit Behinderung definieren sich nicht automatisch über ihre Einschränkungen, sind nicht zwingend unglücklich oder krank.
- Sprechen Sie direkt mit dieser Person, nicht mit ihrem Begleiter oder Dolmetscher.
- Sprechen Sie nicht überbetont oder extra laut. Eine körperliche Einschränkungm Ihres Gegenübers hat nicht automatisch einen Hörschaden oder intellektuelle
Einschränkungen zur Folge.
- Es ist nicht nötig, Wörter zu vermeiden, die vermeintlich im Gegensatz zur Behinderung Ihres Gegenüber stehen. So können Sie einen Rollstuhlfahrer
durchaus fragen „wie es läuft“ oder zu einem sehbehinderten Menschen sagen „Wir sehen uns dann“.
Stellen Sie den Menschen in den Vordergrund, nicht seine körperlichen Einschränkungen.
Stellen Sie ihn anhand der Sache vor, wegen der Sie mit ihm zusammengekommen sind. Dass dieser Mensch eine Behinderung hat und welche, können Sie dann immer noch erwähnen (ist in manchen Fällen sogar schon implizit, z.B. bei einem Bericht über einen Sportler bei den Paralympics) bevor Sie mit dem eigentlichen Thema
weitermachen. Außerdem gibt es immer noch andere Attribute als die körperlichen Einschränkungen.
So kann z.B. eine gehörlose Frau auch Mutter, Malerin und Hamburgerin sein, oder ein
Rollstuhlbasketballspieler auch Verwaltungsangestellter, Weinliebhaber und Kölner. Es ist daher nicht nötig, sich ständig auf die Behinderung zu beziehen.
Wenn Sie über eine Leistung eines Menschen mit Behinderung berichten, stellen Sie diese nicht als außergewöhnlich oder gar rührend dar. Dies unterstellt, Ihr Gegenüber wäre eigentlich nicht dazu in der Lage und habe es nun „trotzdem“ geschafft.
Bestimmte Behinderungsarten bedingen Sprachprobleme (z.B. spastische Lähmungen oder Gehörlosigkeit). Haben Sie daher Geduld mit Ihrem Gegenüber, wenn er/sie mehr
Zeit zum Antworten braucht. Dies ergibt sich lediglich aus der körperlichen Einschränkung und bedeutet nicht, dass diese Person deshalb auch in ihren intellektuellen Fähigkeiten eingeschränkt wäre.
Vermeiden Sie Worte und Formulierungen wie
- „tragisch“ , „schrecklich“ etc.
(Ein Mensch kann auch mit Behinderung durchaus glücklich leben)
- „Stumpf“
(Es geht um einen Mensch, nicht um einen Baum)
- „leidet unter“
(auch wenn der Mensch behindert ist, leidet er nicht automatisch darunter)
- „ist Opfer einer Behinderung“
→ besser: „hat eine Behinderung“
(Menschen mit Behinderung sind nicht automatisch Opfer)
- „Schicksal“
→ besser: „Lebensgeschichte“ oder „Biographie“
- „trotz Behinderung“
→ wenn schon: „mit Behinderung“
- „an den Rollstuhl gefesselt/gebunden“
→ besser: „auf einen Rollstuhl angewiesen“
oder „benutzt einen Rollstuhl“, „Rollstuhlfahrer“
- „Behinderte“
→ besser: „Menschen mit Behinderung“
(zuerst den Menschen nennen, dann die Behinderung)
- „der Querschnittgelähmte“, „die Blinde“ etc.
→ besser: „der querschnittgelähmte Sportler“ (Stuttgarter etc.),
“die sehbehinderte Sängerin“ (Leipzigerin etc.)
- „gesund“ als Gegenteil von „behindert“
→ besser: „nichtbehindert“
(Ein Mensch mit Behinderung ist nicht automatisch „krank“.
Es gibt zwar Behinderungen, die durch Krankheit zustande kommen, meist ist das jedoch nicht der Fall)
- „normal“ für nichtbehinderte Personen
→ besser: „nichtbehindert“
Absolut inakzeptabel, da beleidigend und verletzend ist der Gebrauch von Wörtern wie
- Krüppel
- verkrüppelt
etc.
Pingback Wir sind alle Krüppel! Eine Ablehnung der Minderwertigkeitsphilosophie – Philosophie EntGrenzen
- Am 8. August 2011 um 16:55
[...] hier die Aufgabe eines Staates für Ausgleich zu sorgen. Müssen Behinderte aber gesellschaftlich auf ihre Behinderung reduziert bleiben? Wir sollten eher die Felder erforschen, wo sie es nicht sind. Natürlich ist es bei den [...]
carmen olivar
- Am 31. Oktober 2011 um 00:50
https://www.facebook.com/pages/Sanierung-Fahrstuhl-DEGEWO/133232963448979
Sanierung Fahrstuhl DEGEWO
am 13.9.2011 kündigte die DEGEWO die Sanierung des Liftes an, dieses Schreiben lag am 17.10.11 erst in den Briefkästen (Zeugen vorh.!). Rolly-Mieter buchen extra Urlaub/Reise in dem Zeitraum. Am 27.10.11 wird eine andere Sanierungszeit angegeben: 14.11.11-25.11.11. Die Sanierung muss 2 Monate und nicht 1 Monat, vorher angekündigt werden! Die “Rolly-Mieter”, die vom 7.-18.11 in den Urlaub fahren, um der DEGEWO, auf eigene Kosten (!!!), entgegen zu kommen und um dem Stress zu entfliehen, die kommen demnach 1 Woche früher aus dem Urlaub und wären dann OBDACHLOS! All das weiß mittlerweile die GANZE WELT, dank Internet! http://www.gesetze-im-internet.de